Prospektion des VUBB e. V. im Schermützelsee, Buckow (MOL), Fpl. 11, Mai – Juni 2021

Anlass der Untersuchung/Fragestellung:
Die sogenannte Liebesinsel im Schermützelsee ist schon lange als archäologische Fundstelle bekannt. Bereits in den 1960er Jahren entdeckten Taucher des ortsansässigen Tauchclub Buckow Pfahlsetzungen, Keramikscherben und Knochen auf dem Seegrund rund um die Halbinsel und meldeten die Funde dem damals zuständigen Museum für Ur- und Frühgeschichte in Potsdam. Im Auftrag des Museum untersuchten Taucher des TC Buckow die Fundstelle in den folgenden Jahren mit großem Enthusiasmus und wurden dafür sogar mit einem Preis ausgezeichnet. Die Ergebnisse der Untersuchungen mündeten in einem detaillierten Modell der Halbinsel, das noch heute in der Heimatstube Buckow besichtigt werden kann. Trotz dieses herausragenden, ehrenamtlichen Engagements blieben einige Fragen bis heute offen. Insbesondere die umfassende Kartierung und Datierung der Pfahlstellungen war ohne größeren technischen Aufwand bisher nicht zu realisieren.

Vermessungsarbeiten Mai 2021:
Vom 12. – 16. Mai 2021 konnte eine Tauchgruppe des VUBB eine mehrtägige Untersuchung der Fundstelle durchführen. Neben der üblichen Genehmigung des Brandenburgischen Landesdenkmalamtes waren diesmal auch Genehmigungen der Umweltschutzbehörde und Maßnahmen für den Infektionsschutz nötig. Nachdem die Untersuchung im Jahr 2020 abgeblasen werden musste, ermöglichten sinkenden Inzidenzzahlen und ein umfangreiches Hygienekonzept dieses Mal eine archäologische Untersuchung. Als Basis konnten wir das Vereinsgelände des TC Buckow nutzen, der unsere Arbeiten in jeder Hinsicht unterstützte. Hierfür möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich bedanken.

Ziel der Arbeiten war es die Pfostenkonzentration am südwestlichen Ufer der Halbinsel mit Hilfe des Seitensichtsonars des Sonobot® einzumessen, den uns die Firma EvoLogics GmbH freundlicherweise erneut zur Verfügung stellte. Da diese Form des Sonar in der Regel nicht als Vermessungssystem eingesetzt wird, sollte anschließend durch eine taucherische Offsetmessung überprüft werden, wie genau die Messdaten des Sonobot® die Pfostenstellung abbilden. Aus Zeitgründen war eine vollständige Erfassung der Pfostenstellung per Offsetmessung nicht möglich, sodass sich diese auf einen ausgewählten Bereich beschränken musste. Parallel zu der Vermessung sollten Oberflächenfunde gesammelt und im Sediment verborgene Funde per Metalldetektor gesucht werden. Als Abschluss der Arbeiten sollte eine dendrochronologische Beprobung ausgewählter Pfosten erfolgen.

Zunächst wurde die Position der Pfostenstellung mit dem Sonobot® erfasst und anhand der ersten Messdaten der Untersuchungsbereich festgelegt. Es zeigte sich, dass die Pfosten überwiegend in einem etwa 60 m langen Bereich mittig am südwestlichen Ufer der Halbinsel konzentriert sind. In diesem Bereich wurden zur Orientierung zwei 50m-Maßbänder parallel im Abstand von 2 m durch das Pfahlfeld gelegt. Auf der südlichen dieser beiden Grundlinien wurden im Abstand von 10 m Radarreflektoren mit Bojen befestigt, die es ermöglichten die Lage der Grundlinie per Sonar exakt einzumessen. Anschließend erfolgte entlang dieser Grundlinien im Bereich LfM 20 – 30 eine Offsetmessung in Zweierteams. Gemessen wurde wie bei dieser Methode üblich der laufende Meter auf dem Maßband und der jeweilige Abstand des Pfostens zum Maßband. Eingemessene Pfosten wurden mit vornummerierten Garderobenmarken aus Plastik markiert, die sich hierfür als sehr geeignet erwiesen. Während der Einmessung wurden einzelne Pfosten (Spalthölzer mit ausreichendem Durchmesser) für die spätere dendrochronologische Beprobung ausgewählt. Insgesamt wurden in dem 10 m langen und bis zu 6 m breiten Streifen innerhalb von 12 Tauchgängen von insgesamt 664 Minuten Länge 87 Hölzer per Offsetmessung erfasst. In diesem Bereich wurde auch eine extensive Fotodokumentation angefertigt, mit dem Ziel ein Fotomosaik des gesamten Untersuchungsareals zu erstellen

Begleitend zu den Vermessungsarbeiten wurde  der gesamte mit Maßbändern abgesteckte Bereich (50 x 4-8 m) flächendeckend nach Funden abgesucht, wobei auch Metalldetektoren eingesetzt wurden. Aus dem genannten Bereich stammten insgesamt nur sehr wenige Funde, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass in diesem Bereich die höchste Dichte an Tauchgängen durch den TC Buckow vorliegt. Darüber hinaus wurde der Flachwasserbereich (1,5 – 3 m) rund um die Halbinsel in stichprobenartigen Tauchgängen nach Funden abgesucht. Während hierbei eine Reihe von Keramikscherben und einige Tierknochen geborgen werden konnten, kam an Metallfunden nur ein eisernes Messer zu Tage.

Nach Abschluss der Vermessung und Fundsuche wurden Holzproben von vier ausgewählten Pfosten gewonnen. Dabei erwies sich das Ziehen des gesamten Holzes durch kräftiges Hin- und Herbewegen als praktikabelste Lösung. Hierdurch blieb das gesamte Holz in Takt und die geeignetste Probe konnte direkt im Labor geschnitten werden. Die Beprobung wurde freundlicherweise von Herrn Dr. Karl-Uwe Heußner noch am selben Tag durchgeführt. Die Hölzer konnten am nächsten Tag wieder an den Ort ihrer Entnahme gebracht und dort wieder ins Sediment eingetrieben werden, wodurch sie vor Zersetzung geschützt bleiben und die Zerstörung der Fundstelle sich in Grenzen hält.

Ergebnisse der Vermessungsarbeiten:
Die Vermessung durch Sonobot® und Taucherinnen zeigen eine deutlich Konzentration der Pfosten einem relativ eng begrenzten Bereich entlang des südwestlichen Ufers der Halbinsel. Die Pfosten liegen nicht nur im heute von Wasser bedeckten Bereich sondern ziehen, deutlich erkennbar auch in den Halbinselkörper. Die Oberfläche des Inselufers wird durch die Wurzeln des Schilfgürtels recht gut vor Erosion durch Wellenschlag geschützt, im tieferliegenden Bereich wird die Halbinsel jedoch unterspült. Unter diesem Überhang sind deutlich Pfähle erkennbar. Die Anordnung der Pfähle und die Lage auch im heutigen Halbinselkörper sprechen zunächst nicht für einen Burgwall, sondern eher für eine Befestigung des sumpfigen Untergrundes evtl. in Form von mit Pfosten fixierten Bohlenlagen. Denkbar wäre auch eine ausgedehnte Steganlage entlang der Seite der Halbinsel. Da sich die Pfostensetzungen jedoch – wenn auch in deutlich weniger ausgeprägter Form – auf der anderen Seite der Halbinsel fortsetzen, scheint eine Uferbefestigung die wahrscheinlichste Interpretation zu sein.

Von zwei der vier Holzproben konnten dendrochronologische Datierungen gewonnen werden. Beide fallen in die Mitte des 10. Jahrhunderts, wobei bei einer Probe über die noch vorhandene Sommerwaldkante sogar das genaue Fälldatum ermittelt werden konnte (946 n. Chr., Holzart Eiche, Probe 87, Labornummer PH 38607, Dendrochronologie Dr. Karl-Uwe Heußner). Diese Datierung passt gut zu den geborgenen Funden, von denen die überwiegende Mehrheit in die Mittelslawische Zeit (9./10. Jahrhundert) datiert werden konnte. Nur eine einzelne Scherbe harter Grauware, die ins 12./13. Jahrhundert datiert werden kann, und einige Funde von spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Dachpfannen deuten an, dass die Halbinsel auch in späterer Zeit aufgesucht wurde. Eine substanzielle Besiedlung dürfte in dieser Zeit aber nicht mehr vorgelegen haben.

Weitere Fundbergung Juni 2021:
Im Juni 2021 wurden von befreundeten Sporttauchern weitere Funde im Umkreis der Liebesinsel gemeldet. Diese befanden sich vorwiegend südwestlich der Halbinsel in größeren Tiefen (5 – 7 m) und in der Bucht nordöstlich der Halbinsel. Während zweier gezielter Tauchgänge Ende Juni konnten die bemerkenswertesten dieser Funde eingemessen und eine größere Menge Funde aus dem gesamten Bereich rund um die Insel abgesammelt werden.